Predigten - Kirchenbezirk Aue

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Andacht für zu Hause 


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Thomas

Zu den biblischen Ostertexten gehört die Geschichte der Begegnung von Jesus und Thomas im Johannesevangelium.
Thomas wurde der Beiname „Ungläubiger“ verpasst.
Als negatives Beispiel im Glauben wurde er uns Kindern vorgestellt. 

Ich finde, dass ihm Unrecht getan wird, wenn er darauf reduziert wird.
Ein Feigling war er jedenfalls nicht, der Mann von dem bekannt war, dass er einen Zwillingsbruder hatte und von Beruf Fischer war. Das zeigt eine vorangegangene Erzählung.
Maria und Martha, bei denen und deren Bruder Jesus oft zu Gast war, schickten nach Jesus mit der Botschaft, dass sein Freund Lazarus schwer krank ist und er deshalb doch zu ihnen kommen möge.
Bethanien, unmittelbar bei Jerusalem war jedoch ein sehr heißes Pflaster für Jesus. Dort hatte er nicht nur Freunde, sondern auch Feinde, mächtige Leute, die ihn für einen Unruhestifter, einen unbotmäßigen Untertanen hielten.
Jesus zögert, die drei zu besuchen, und macht sich dann schließlich doch auf den Weg.
Es wird erwähnt, dass sich Thomas ihm ausdrücklich für diesen Weg an- schließt. Er wird als einziger der Jünger mit den Worten zitiert:
“Lasst uns mit ihm gehen, um mit ihm zu sterben.” (11, 5 - 16)
Das klingt nicht wie das Wort eines Menschen, der Jesu Mission nicht ver- standen hat.
Und schließlich ist er nicht der einzige, der mit Jesu Auferstehung seine Schwierigkeiten hat. Maria Magdalena ist von Trauer über seinen Tod so überwältigt, dass sie Jesus nicht erkennt, obwohl er vor ihr steht. Die Jünger sehen das leere Grab und laufen wieder weg. Auch ihnen öffnet Jesu die Augen, in dem er sie zu Hause aufsucht, sich ihnen zeigt.
Hörensagen hat hier wohl niemandem gereicht.
Aber nur Thomas wird so pointiert zitiert: „Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich's nicht glauben.“
Er ist wohl der handfeste Typ, dem niemand so leicht etwas vormacht:
Ich glaube nur noch, was ich selber sehe.
In unruhigen Zeiten, wo vieles drunter und drüber geht und die Botschaften und Gerüchte ins Kraut schießen, ist das eigentlich nicht verwunderlich, son- dern vielleicht sogar gesunder Realitätssinn.
Es könnte sich ja auch ein anderer für Jesus ausgeben.
Falsche Propheten und Erlöser gab es damals und gibt es heute und viele Gutgläubige, die falschen Botschaften auf den Leim gingen und gehen auch. Viele, die Opfer ihrer Vertrauensseligkeit wurden, werden sich immer wieder schmerzlich daran erinnern.
Der Thomas muss etwas in sich gehabt haben, was es Jesus wert war, noch einmal vorbeizukommen, ganz allein für diesen Thomas, damit der Frieden findet und seinen mit Jesus begonnenen Lebensweg fortsetzen kann. 

Der christliche Glaube in der ganzen Tiefe seiner Botschaft ist nichts für Leichtgläubige. Das macht das gesamte Johannesevangelium deutlich, dass mit dem Satz beginnt: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“
Das klingt mystisch und ist nicht so leicht zugänglich, nicht so leicht zu erfassen.
Thomas scheint einer zu sein, der nicht so leicht zu beeindrucken zu sein scheint. Aber was ihn überzeugt, dafür steht er ein mit seinem Leben.
Bei Leuten, die sehr schnell bereit sind zu glauben, ist das meist anders. Sie glauben heute das und orientieren sich morgen an einer anderen Botschaft. Solchen musste Jesus nicht lange nachlaufen, aber auf sie war dann am Ende auch kein Verlass. Sie riefen erst „Hosianna“ und kurze Zeit später „Kreuzige ihn“.
Zweifelnde führen kein leichtes Leben, aber eines, das nach der Wahrheit sucht, ein wahrhaftiges Leben.
Wahre Jesusnachfolge ist wahrlich nichts für Feiglinge und nichts für Leicht- gläubige. Weil er Thomas für einen mutigen Wahrheitssuchenden hält, klopft Jesus auch zweimal an die Tür.
Bei Thomas hat sich das gelohnt.
„Sei nicht ungläubig, sondern gläubig“ ist da nicht eine oberlehrerhafte Beleh- rung, sondern vor allem ein Zuspruch:
Thomas hier bin ich. Du kannst aufhören zu grübeln. Entspann dich und gib, was du zu geben hast.
Der sich durch Zweifel hindurchringende Glauben-Suchende sucht nach dem erwachsenen Glauben, der selbst Verantwortung übernimmt.
Das ist eine gute Therapie, wie ich finde, in Zeiten von Angst und Panik. 


Adelheid Wolf, Rittersgrün 

 


„Schritt für Schritt“

In einem bekannten Kinderbuch von Michael Ende erklärt der Straßenkehrer Beppo: 

„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang, das kann man niemals schaffen. Aber man darf niemals die ganze Straße auf einmal denken. Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste.“

Sich auf das konzentrieren, was jetzt zu tun ist! Sich den Herausforderungen der Gegenwart – so gut es geht –  stellen, ohne sich von den Unwägbarkeiten und Eventualitäten der Zukunft „ins Bockshorn jagen zu lassen“: Das wäre die ideale, die angemessene Haltung! 

Denn unnötige Sorgen zehren nur an den eigenen Kräften. Unnötige Ängste lähmen nur. Darum sollten „wir uns hüten, durch das Ausmalen bloß möglicher Unglücksfälle unser Herz zu ängstigen“ – schreibt Arthur Schopenhauer in seinen „Aphorismen zur Lebensweisheit“. 

Mit nüchterner Gelassenheit ersparen wir uns manche schlaflose Nacht. So schonen wir unsere Kräfte, die wir – besonders in Corona-Zeiten – dringend brauchen. 

Es geht hier um jene Einstellung, die schon Jesus seinen Jüngern ans Herz gelegt hat: „Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“ – lesen wir in der Bergpredigt (Matthäus 6,34).

Was ich im Hier und Heute tun kann, das will ich tun, so gut es mir möglich ist. Was erst noch kommen mag an Herausforderungen und Aufgaben, das will ich in Angriff nehmen, sobald die rechte Zeit dafür herangerückt sein wird. 

Es zählt die Konzentration auf das jetzt Machbare. Es geht um Achtsamkeit für die Gegenwart mit ihren Möglichkeiten und Aufgaben.

Dazu folgendes Wort aus der Feder von Johannes XXIII:

„Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen. Nur für heute werde ich etwas tun, wozu ich eigentlich keine Lust habe. Nur für heute werde ich mich vor zwei Übeln hüten: vor der Hetze und der Unentschlossenheit… Ich will mich nicht entmutigen lassen durch den Gedanken, ich müsste dies alles mein Leben lang durchhalten.“

Achtsam und bereit sein für die Aufgaben und Chancen – auch für das Glück! – der Gegenwart: Das kann eigentlich nur, wer gelassen bleibt im Blick auf das Kommende. 

Gelassenheit aber hat sehr viel zu tun mit Vertrauen und mit Zuversicht: 

„Weil Gott weiß, was morgen ist, brauchen wir heute keine Angst zu haben.“ – so Heinrich Giesen.

Mit solcher Zuversicht lässt sich die „Lebensstraße“ leichter bewältigen –  sicherlich nicht „auf einen Streich“, aber eben doch „Schritt für Schritt“ und „Besenstrich um Besenstrich“.

 

Bleiben Sie behütet und gesund!

 

Mit vielen Grüßen – Christof Schumann aus Johanngeorgenstadt.



 

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Einen aktuellen Gottesdienst aus unserer Region können Sie 10:00 Uhr im erzTV, bzw. im Kabeljournal sehen. 


Aus der Kirchgemeinde Lößnitz-Affalter:


https://www.youtube.com/watch?v=7jQHBQit_Dg







 
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21.03.2020
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