Jahreslosung 2018 - Kirchenbezirk Aue

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Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! (Lukas 6,36)
 
Zu Beginn dieses neuen Jahres bin ich gespannt, was die vorherrschenden Themen und Aufgaben sein werden und womit wir Menschen uns 2021 besonders beschäftigen müssen. Ich wünsche mir sehr, dass es nicht nur das große Thema ist, wie wir denn mit der Corona-Pandemie fertigwerden. Ich wünsche mir auch ein Mut machendes Thema, wie es die Jahreslosung 2021 anspricht: Barmherzigkeit.
Welche Rolle spielt Barmherzigkeit in unserem Leben? Wo erfahren wir sie, wo sind wir selber barmherzig? Wo wird uns etwas über das verdiente Maß hinaus gewährt? Wo erfahren wir mehr Gutes, als wir eigentlich zu erwarten haben? Und wo passiert es uns, dass ein anderer darauf verzichtet, seinen Anspruch gegen uns geltend zu machen?
Das klingt vielleicht etwas hochgestochen. Aber stellen Sie sich vor, ein politischer Mitspieler nützt die Schwächen und Fehler seines Gegners nicht aus, sondern ist barmherzig und bleibt sachlich und fair? Geht das überhaupt? Kann man damit Wahlen gewinnen? Jemand könnte einen anderen unter Druck setzen mit dem, was er weiß. Und tut es nicht: Wer lässt sich einen solche Gelegenheit eingehen? Oder: Jemand verzichtet darauf, die Schuld eines anderen notfalls mit Zwangsmaßnahmen einzufordern?
Wer Barmherzigkeit übt, eröffnet damit anderen einen Raum zu Leben. Wer Barmherzigkeit übt, fordert nicht herzlos ein, sondern erlässt. Barmherzigkeit weiß, dass es neben dem, was recht und billig ist, noch mehr geben muss. Barmherzigkeit schenkt aus Liebe, aus Mitgefühl, als Solidarität.
„Seid barmherzig“ ruft uns Jesus mit den Worten der Jahreslosung auf. Klingt gut. Findet meistens unsere Zustimmung. Denn in einer unbarmherzigen Welt, in der es eben erbarmungslos zugeht, wird keine Schuld vergeben, wird kein Fehler verziehen, gibt es keine Spielräume, kriegen alle nur das, was sie verdienen. Mehr nicht. Da wird Mitgefühl als Sentimentalität abgetan, da gelten Worte der Liebe als Gefasel.
„Seit Barmherzig!“ sagt Jesus. Seltsamerweise gibt es für Barmherzigkeit kein Tätigkeitswort. Barmherzig ist eine Haltung anderen Menschen gegenüber. Ich bin es oder bin es nicht. Aus dieser Haltung heraus kann ich verzeihen, schenken, spenden, geduldig sein, warten, lieben, ertragen, helfen. Wir sagen, dass wir Barmherzigkeit „üben“ im Sinne von „ausüben“. Aber „Barmherzigkeit üben“ lässt sich auch anders verstehen: im Sinne von „lernen und trainieren“, wie man ein Instrument erlernt oder eine Fertigkeit einübt, sodass man es in Zukunft besser kann. Hilfreich ist es beim üben oder trainieren, wenn man einen Trainer hat. Von wem lernen wir Barmherzigkeit, wer übt sie mit uns? Wie gut Barmherzigkeit tut, wissen die, denen selbst Barmherzigkeit widerfahren ist. Wer erlebt hat, dass ihm und ihr verziehen worden ist, denen gelingt ein „Ich verzeihe dir“ eher. Wer selbst erlebt hat, welchen neuen Lebensraum Versöhnung eröffnet, kann auch selbst leichter erste Schritte zur Versöhnung gehen und wird die Bitte um Versöhnung nicht so leicht abschlagen.
„Gott ist mit uns barmherzig“ – das macht uns Jesus klar. Wir sollen mit unserer Barmherzigkeit seine Barmherzigkeit widerspiegeln. Anders können wir sie gar nicht üben. Selber Barmherzigkeit zu erleben ist die Quelle, aus denen wir schöpfen können, um auch selbst barmherzig zu sein.
 
So hoffe ich, dass wir Barmherzigkeit erfahren und dass wir selbst barmherzig werden. Es wird uns allen guttun in diesem Jahr.
 
Herzlich grüßt Sie Dieter Bankmann, (Im Januar 2021)
 

05.03.2021
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